Philosophie und Schichtenmodell

Apparat ist keine weitere „beste Notiz-App". Es ist der Versuch, persönliches Wissensmanagement so zu bauen, dass es sich über Jahrzehnte nicht gegen den Nutzer wendet. Drei Prinzipien tragen das Projekt.

Progressive Enhancement

Apparat ist in Schichten aufgebaut. Jede Schicht funktioniert eigenständig, jede höhere Schicht ergänzt die darunterliegende. Wenn eine obere Schicht ausfällt — weil ein Dienst nicht läuft, weil die KI offline ist, weil das System zehn Jahre alt ist — bleiben die unteren Schichten erhalten und nutzbar.

Schicht Funktion Technik Status Fallback, wenn sie ausfällt
0 Rohdaten Markdown + YAML im Dateisystem Fertig Immer verfügbar
1 Graph-Extraktion Parser für Links und Metadaten Fertig Manuelle Inspektion
2 Semantische Suche Lokale Vektor-Embeddings Fertig Volltextsuche
3 KI-Dialog Lokales LLM mit RAG Fertig Ohne Assistenz nutzbar
4 Benutzeroberfläche Editor mit Chat-Integration Teilweise nutzbar Beliebiger Texteditor

Schicht 0 ist das Fundament: Deine Notizen sind einfache Markdown-Dateien in einem Ordner, mit einem kleinen YAML-Kopf am Anfang. Das kannst du mit cat, grep, vim oder dem Dateimanager deiner Wahl bedienen. Auch in fünfzehn Jahren, wenn dieses Projekt vielleicht nicht mehr existiert.

Die darüber liegenden Schichten machen das Leben bequemer — ein Graph zeigt dir, wer mit wem verbunden ist, eine semantische Suche findet Notizen, an die du dich nicht mehr erinnerst, ein KI-Dialog hilft dir beim Nachdenken. Aber wenn eine davon ausfällt, verlierst du nur den Komfort, nicht die Daten.

Das ist nicht nur eine architektonische Entscheidung, sondern eine politische. Du sollst jederzeit aussteigen können, ohne etwas zu verlieren.

Lokale Souveränität

Apparat läuft auf deiner Hardware. Keine Cloud, kein Upload, keine fremden Server. Das gilt für die Speicherung genauso wie für die KI-Modelle (Schichten 2 und 3 verwenden lokale Embedding- und Sprach­modelle, z.B. über Ollama).

Backup-Strategien bleiben deine Sache: Git, rsync, Time Machine, externe Festplatten — alle funktionieren, weil Apparat nichts außer Dateien anfasst. Synchronisation zwischen mehreren Geräten ist Sache des Nutzers: Git, Syncthing, oder „ein Gerät schreibt, andere lesen".

Wenn du Wert auf echten Datenschutz legst, ist lokale Souveränität nicht verhandelbar. Alles andere wäre eine Lüge.

Schemafreiheit mit Struktur

Klassische Datenbanken verlangen, dass du vor der ersten Eingabe weißt, was du speichern willst. Welche Felder hat eine Person? Eine Organisation? Ein Buch? — Apparat dreht das um. Du legst nichts vorher fest. Du schreibst Notizen und vergibst Typen wie person, project, concept, interview, thought. Die Kategorisierung entsteht durch Benutzung — das Vokabular bleibt aber englisch, klein­geschrieben und im Singular, damit aus deiner Sammlung auch nach Jahren ein einheitliches Schema herauszulesen ist.

Damit das nicht ins Chaos führt, unterstützt Apparat Konsolidierung: Wenn du Persons tippst und es gibt schon person, bekommst du einen Hinweis. Wenn du wcag tippst und es gibt schon WCAG, kannst du die bestehende Schreibweise übernehmen. Keine Auto-Korrektur — du entscheidest.

Dieses Prinzip — Schemafreiheit mit Struktur — ist der Versuch, das Beste aus zwei Welten zu verbinden: die Offenheit eines freien Textes und die Präzision einer Datenbank. Ohne dass du zwischen beiden wählen musst.

Zukunftssicherheit als Designziel

Viele Notiz-Apps der letzten zwanzig Jahre sind verschwunden. Die Daten in proprietären Formaten liegen auf Servern, die es nicht mehr gibt. Apparat ist explizit so gebaut, dass das dir nicht passieren kann:

Das klingt vielleicht übertrieben — aber es ist der einzige Weg, persönliches Wissensmanagement wirklich ernst zu nehmen.